Durch die Backwaters in Kerala.

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Sep 292014
 

DSC00344511. Reisetag

15.720 km

 

Eine wenig befahrene Straße schlängelt sich durch Kokoshaine in Küstennähe Richtung Süden. Freue mich, wieder auf dem Rad zu sitzen. Oft nähere ich mich der offenen Küste. Durch Palmen hindurch sehe ich die Fischerboote am Sandstrand liegen. Auf der anderen Straßenseite tauchen Kanäle und offene Wasserflächen auf. Vor mir fährt ein Straßenhändler auf dem Fahrrad mit jeder Menge Thermoskannen. Ein Motorradfahrer hat sein Fahrzeug mit Haushaltswaren vollgeladen. Der Fischhändler bietet eisgekühlte kleine Fische aus einer Kiste auf seinem Fahrrad an.
Am Straßenrand liegen Berge feiner Kokosfasern. Ein Teil davon wird zu Seilen verarbeitet.
Um einen schnelldrehenden Hacken wird die Faser gelegt und durch das Drehen verschlingen sich die nächsten Fasern wie beim Spinnen zu einem Seil.
In einer kleinen Werkstatt werden Holzboote gebaut. Die Fugen zwischen den Brettern werden mit Kokosfaserseilen abgedichtet. Ins Holz sind Löcher gebohrt. Dadurch wird eine dünne Plastikschnur gezogen um die Faserseile fest in die Holzfugen zu pressen. Es sieht fast wie eine Zickzacknaht von der Nähmaschine aus.
In jedem Dorf steht mindestens eine Kirche, oft in beachtlicher Größe und neu gestrichen. Einmal klingt eine sich überschlagende predigende Stimme heraus, die eher furchteinflößend ist.
Die chinesischen Fischernetze (wie in Kochi) tauchen an einem Fluss wieder auf, etwas kleiner und im Ein-Mann-Betrieb. Viel Fisch wird auch hier nicht gefangen. Subventioniert wird aber auch nicht, denn Touristen sind so gut wie keine auf dieser Nebenstrecke unterwegs.

Nach 65 km erreiche ich den Ort Alappuzha. Der Treffpunkt mit Andrea ist in einer gebuchten tierliebenden Unterkunft. Viele Katzen, vier Hunde, die auch nachts bellen und ein Pferd.
Der Ort wird von einigen Kanälen durchquert. Von hier aus starten die Fähren durch die Backwaters. Beim Gang durch die Stadt ist Andrea böse gestürzt und hat dadurch eine hässliche Schnittwunde am Knie bekommen. Die Fährfahrt für diesen Tag haben wir gestrichen. Am Abend besuchen wir ein Hindu-Tempelfest mit Musikgruppe.


Für die nächsten zwei Tag leisten wir uns einen Luxus und lassen uns mit einem Hausboot durch die Kanäle und Seen der Backwaters fahren. Die typischen Hausboote sind alte umgebaute Reiskähne in unterschiedlichen Größen. Zu Hunderten liegen sie am Ufer und warten auf Touristenfahrten. Mit im Boot fährt immer der Kapitän und ein Koch.
Wir tuckern langsam dahin und lassen das Flussleben an uns vorbei gleiten. Auf dem Wasser treiben kleine und große Ansammlungen von Wasserhyazinthen. Nicht befahrende Kanäle sind komplett zugewachsen. Kokospalmen, Bananenstauden und Reisfelder säumen die Ufer bzw. Uferdämme. Die Felder liegen unterhalb des Wasserspiegels der Kanäle. Manche zeigen bereits das intensive Reisgrün, andere stehen noch unter dem Wasser des Monsunregens und müssen zum Bepflanzen leergepumpt werden. Das ist normal, Pumphäuschen stehen dafür am Ufer der Kanäle.
Gemütlich auf dem Boot sitzend hören wir das Klopfen der Wäscherinnen am Ufer. Die Wäsche wird eingeseift und dann auf Waschsteine geschlagen. Eine anstrengende Arbeit, und gewaschen wird viel am Fluss. Nicht nur die Wäsche, auch die Menschen nehmen ihr Bad im trüben Wasser der Kanäle.
Ab und zu schwimmen große Entengruppen durch und über die Hyazinthenansammlung. Es sind richtige „Herden“, die am Abend wieder eingeholt werden. Das ist einfach, denn die Ente liebt das Gruppenschwimmen.
Gefischt wird nachts mit Lampen nach Riesengarnelen. Diese lieben die Jamswurzeln, Teile davon werden an Fäden ins Wasser gelassen. Der Fischer merkt bei Anbiss ein Zucken am Faden und wirft sein Netz darüber. Die Touristenhausboote dürfen deswegen nachts nicht fahren. Ansonsten sind die Kanäle fischarm.
Am Morgen beobachten wir einen Muscheltaucher, der eine lange Bambusstange in den Kanalboden drückt. Der Mann taucht und kommt mit Erdklumpen nach oben, rudert aber nach einigen Tauchvorgängen weiter. Ist wohl keine gute Fundstelle.
Jeden späten Nachmittag/Abend schlägt der Monsun mit Guss und Gewitter noch einmal zu, obwohl seine Zeit eigentlich vorüber ist. Auf dem Boot stört es kaum.

Kochi – Indien

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Sep 252014
 

DSC09895507. Reisetag

 

Sri Lanka kann ich leider nur mit dem Flugzeug verlassen. Nach 1,5 h Flug landen wir in Kochi, an der südlichen Westküste Indiens. Von dort lasse ich mich und das eingepackte Fahrrad mit einem Taxi in die 35 km entfernte Stadt fahren. Das dauert etwas, da der Taxifahrer lieber eine Stunde in der Schlange auf die Fähre wartet als einen kleinen Umweg zu fahren. Die Unterkunft habe ich vorgebucht. Sie liegt in Fort Kochi, dem Touristenviertel mit einem morbiden Charme. Viele alte Kolonialbauten stehen noch, manche sind zerfallen, alles Überreste aus der portugiesischen, holländischen und britischen Zeit. Man könnte meinen, die Jahrhunderte sind hier spurlos vorübergegangen.

Der Stadtteil ist umgeben von Wasserflächen und Kanälen. Sie gehören zu den Backwaters, die sich hinter der Küstenlinien weit verzweigt dahinziehen.

Das Wahrzeichen von Kochi sind die freischwebenden chinesischen Fischernetze. Sie sehen aus wie riesige Spinnen, die überm Wasser schweben. Diese Fischfangtradition wurde vor 600 Jahren eingeführt. Ein großes Netz mit steinernen Gegengewichten wird ins Wasser gelassen und nach einiger Zeit wieder hochgezogen. Die Fische, die gerade vorbeischwimmen werden gefangen. Das sind nicht viele. Vom Fischfang können diese Fischer nicht leben. Ich denke, dieser Fischfang wird stark subventioniert. Das Geld für die Subventionen bringen die Touristen in das Stadtviertel.

Etwas weiter entlang der Uferstraße legen kleine Fischerboote an. Die vollen Netze werden in Ufernähe entleert. Der Fang daraus mit Körben geschöpft und ins Boot gekippt. Das Boot ist randvoll, die restlichen Fische, lebendig und tot, werden aus den Netzen wieder ins Meer gelassen. Wer von den Zuschauern Lust hat, kann sich Taschen und Tüten kostenlos füllen. Mit den Fischen wird sehr achtlos umgegangen obwohl sie für viele Menschen den Lebensunterhalt bilden.

In Kochi bekomme ich Besuch. Andrea wird mich einige Zeit auf meiner Fahrt um den Südzipfel von Indien begleiten. Ich fahre mit dem Fahrrad zum nächsten Ort, sie mit dem Bus. Hoffe, das klappt und wir treffen uns jedes Mal wieder.

Zunächst bummeln wir entlang der Uferpromenade von Fort Kochi. Ein kleiner Sandstrand lädt eher zum Menschenschauen als zum Baden ein. Diverse Essensstände, ein kunstvoll angemalter Baum und der Blick auf die Reihe der chinesischen Fischernetze mit Besatzung machen daraus einen sehenswerten Spaziergang.

Mit einer Fähre fahren wir hinüber in die Stadt Ernakulum. Beim Kartenkauf für die Fähre gibt es getrennte Schalter für Frauen und Männer. Wie überall in Indien, wenn Schlange gestanden werden muss. In der Stadt Ernakulum treffen wir auf das „richtige“ Indien. Gedränge auf der Straße und in den vielen schmalen Gassen. Zwischendurch schlängeln sich die Tuk-Tuks. Eine Lücke beim Überqueren der größeren Straßen ist schwer zu finden. Man muss einfach in den Verkehr hineinschreiten, dann kommt man rüber. Wie es der Zufall will gelangen wir auf einen kleinen Markt. Es ist immer noch interessant für mich darüber zu laufen (und auch Fotos zu machen).

Am nächsten Vormittag schauen wir uns in Fort Kochi um. Ein gut englischsprechender Tuk-Tuk-Fahrer zeigt uns die Sehenswürdigkeiten. In der großen Wäscherei gibt es nur Handwäsche, wenn auch nicht im Schongang. In den einzelnen Kabinen wird die Wäsche kräftig auf Steine geschlagen, das löst wohl den Schmutz. Nach dem Trocknen auf der Wiese wird mit Holzkohle beheizten Eisen oder schweren Elektroeisen die Wäsche geplättet.

Kochi ist Zentrum des Gewürzhandels gewesen und ist es (wohl für die Touristen) immer noch. Auf dem Hof des Ginger-Marktes werden die Ingwer-Wurzeln in der Sonne getrocknet. Vorher werden sie in einer Kalklösung getränkt um Ungeziefer fernzuhalten. Sie sehen dann weiß aus. Der Kalk wird anschließend wieder abgewaschen.
In einer großen Lagerhalle stehen Säckeweise die Zutaten für die ayurvedischen Anwendungen. Stände und Läden bieten diverse Gewürze an der Straße an.
Die christlichen Missionare waren (und sind es wohl noch) in der Keralaregion sehr erfolgreich. Aus zahllosen Kirchen schallt Musik auf die Straße. Es sind meist neue sehr große Gebäude.
Essengehen in Indien bringt Spaß. Die Auswahl ist groß und es schmeckt.

 

Abschied von Sri Lanka.

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Sep 192014
 
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Blick von meinem Balkon.

 501. Reisetag

 

Vor meinem Fenster rauscht das Meer. Der Wind treibt einen fischigen Geruch vorbei. Am Strand sehe ich Frauen und Männer bei der Arbeit. Fische werden ausgenommen und auf Planen ausgebreitet getrocknet. Der Fischabfall wird zurück ins Meer gegeben. Wundere mich, dass sich die immer hungrigen Hunde und Krähen nicht über den Trockenfisch hermachen. Sind wohl zu salzig.

Das Leben auf der Straße der Individualtouristen im Fischerort Negombo ist wie gehabt. Bin in der gleichen Unterkunft, esse in mir bekannten Restaurants das etwas langweilig gewordene Currygericht, zur Abwechslung auch mal mit Fisch. Werde wiedererkannt und herzlich gegrüßt.

Wolken am Himmel und ab und zu einen Regenschauer begrüße ich. Auf dem Balkon weht dann ein frischer Wind und es ist recht angenehm. In der heißen Sonne kann ich es hingegen kaum aushalten.
Mit der Dämmerung kommen die Mücken. Eh ich es bemerke wird mein Bein die Getränkebar. Merkwürdigerweise juckt es mich besonders nach dem abendlichen Duschen. Berechtigt durch Stiche, aber auch viel Phantomjucken. Selbst unter dem Moskitonetz bin ich nicht sicher. Immer wieder finden diese Plagegeister einen unbekannten Einstieg und stören meine Nachtruhe.

Am Mittwoch fahre ich mit dem Bus nach Colombo um mein Vietnam-Visa abzuholen. Wegen der Abgase, die vorbeifahrende Busse und Lastwagen in Kopfhöhe ausstoßen, raubt mir die Tuk-Tuk-Fahrt vom Busbahnhof zur Botschaft schier den Atem.

Am Freitag mache ich den Abschiedsbesuch auf dem Fischmarkt in Negombo. Große und kleine Fänge werden angeboten, oft nur in Schalen oder Plastikplanen auf dem Boden. Vor den Markthallen, auf dem breiten Sandstrand, erfolgt die Weiterverarbeitung der Fische. Fast alles wird genutzt. Sogar die Gerippe liegen zum Trocknen aus und werden anschließend zerkleinert. Es stinkt in manchen Ecken fürchterlich.

Das kleine Land Sri Lanka, nicht größer als Bayern, aber mit fast doppelt so vielen Einwohnern, habe ich drei Monate durchfahren, dabei 2000 km zurückgelegt. Ich bin erstaunt über die unterschiedlichen Landschaftsformen. Steppenartige Landstriche im Norden, Kokosnussplantagen im südlichen Küstenabschnitt, hohe Berge mit tropischer Regenwald und vielen Teeplantagen im Inneren.
Die Insel ist reich an Kultur mit vielen Orten, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Der Besuch im kleinen Dorftempel zeigte mir die tiefe Verankerung des Glaubens in der Bevölkerung.
Die Menschen sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Fast immer wurde ich mit einem Lächeln begrüßt. Das anmutige Wiegen des Kopfes als Begrüßungsform und Bejahung ist eine schöne Erinnerung.
Es gibt leider auch die andere Seite. Häufige Straßenkontrollen, gesperrte Bezirke und viel Militär in dem von Tamilien bewohnten Norden. Als Durchreisender erfahre ich nur wenig von den Schwierigkeiten der Tamilen. Ein Blick auf die Internetseite u.a. von amnesty international zu Sri Lanka zeigt das Ausmaß der Repressionen und Menschenrechtsverstöße auf der Insel.
Dass es zum 50 km entfernten Indien keine Schiffsverbindung gibt ist politisch gewollt und trifft die Tamilen, die traditionsmäßig eine enge Beziehung zum Nachbarland haben. Für die kurze Strecke muss ich ein Flugzeug nehmen, dass ist ärgerlich.

Die letzten Tage verbringe ich mit angenehmen Wenig-Tun und Blick auf das vor meinem Fenster rauschende Meer.

Wieder in Negombo.

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Sep 122014
 

DSC09730494. Reisetag

15.655 km

 

Beim Frühstücken stelle ich mir so manchmal die Frage: Was soll das, immer unterwegs sein. Ist die Vision, das Fernweh vor eineinhalb Jahren, noch immer das Wegweisende für mich?
Mittlerweile ist das Nomadenleben mein Alltag. Oft unterscheiden sich die Tage wenig. Ich setze mich morgens aufs Fahrrad. Es ist heiß. Die Landschaft kenne ich bereits. Sie ist nicht mehr so abwechslungsreich. Seltener werden die Strecken und Höhepunkte, die mich begeistern. Habe ich schon zu viel gesehen. Ist das alles Routine?
Ich bin alleine und kann mich nicht austauschen. Das immer gleiche oberflächliche Gerede unterwegs ist kein Ausgleich dafür.

Trotzdem möchte ich nicht aufhören. Fühle mich auf dem richtigen Weg. Und da ist etwas was ich nicht „fassen“ kann. Ist es der Wunsch ein Platz zu finden, an den ich gehöre? Kann sein, solche Orte sind rar und nur mit viel Glück anzutreffen. Ein klares Ziel meiner Reise gibt es nicht. Noch ist da ein Sog in das Unbekannte, die unbestimmte Ferne und eine Suche nach irgend etwas.

Das Frühstück ist beendet. Der heiße Kaffee verursacht bereits einen Schweißausbruch vergleichbar mit einer stundenlangen Fahrt durch die Sonne. Ich schwinge mich aufs Rad und fahre entlang der Küstenstraße Richtung Colombo. Wundere mich, dass viele Geschäfte geschlossen sind. Später erfahre ich, es ist der Vollmondtag, jedes Mal ein Feiertag im buddhistischen Sri Lanka. Behördlich wird zusätzlich an Wochenenden nicht gearbeitet. Damit haben sich die Christen – mit Ausnahme in den arabischen Staaten – weltweit durchgesetzt.

Der beständig wehende Südwest trifft mich jetzt von der Seite und verlangsamt die Fahrt kaum noch. Dunkle Wolken ziehen auf. Kurze Zeit später eimert es vom Himmel. Ich kann mich gerade noch in ein Lokal zurückziehen.

Im kleinen Ort Induruwa übernachte ich in einer Unterkunft, direkt mit Garten zum Strand. Diese gehört einem sri-lankanischem/deutschen Paar, das in Bonn gelebt hatte. Sie haben vor 35 Jahren den Aufbruch und Neustart gewagt. Ich bleibe eine weitere Nacht bevor ich nach Colombo aufbreche.
Der Verkehr nahe der Hauptstadt nimmt deutlich zu. In einem ungeordneten Gewirr von stinkenden Tuk-Tuks, Autos und Bussen bleibe auch ich nahe vom Zentrums im Stau stecken.

In Colombo sind Botschaftsgänge zu erledigen. Notwendig, aber jedes Mal auch beunruhigend, da ich nichts beeinflussen kann. In der vietnamesischen Botschaft läuft alles wie gewünscht. In fünf Arbeitstagen werde ich mein Visa abholen können. Die Chinesen hingegen machen Schwierigkeiten. Sie fordern neben einem Rückflugticket, eine durchgehende Hotelreservierung, einen beglaubigten Bankauszug usw. an. Das kann ich nicht liefern. Verlasse die Botschaft etwas ratlos. Individualreisende sind in China wohl nicht mehr erwünscht. Falls Marie in Deutschland auch keinen Erfolg mit einem Chinavisa haben sollte (ein Pass von mir liegt noch dort), werde ich von Indien nach Vietnam fliegen. Mit Marie ist eigentlich ein Treffen im November in China geplant, dass ist jetzt fraglich. Marie möchte mich demnächst einige Monate mit dem Fahrrad begleiten. Darauf freue ich mich.

Colombo ist für einen längeren Aufenthalt keine schöne Stadt – heiß, mit viel Verkehr und der erfrischende Küstenwind fehlt im Häusermeer. Ich fahre weiter nach dem Negombo, meinem Einstiegsort in Sri Lanka.