Müßiggang in Graz.

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Aug. 062013
 

 

DSC0065491. Reisetag

4746 km

 

Der Campingplatz liegt 8 km außerhalb des Zentrums. Direkt neben dem Platz ist ein ehemaliger Baggersee ausgebaut zu einem großen schönen Schwimmbad. Camper haben freien Eintritt. Der Himmel gnadenlos blau. Bis auf ein Wärmegewitter bleibt es so. Ein Fahren bei bis 36 Grad im Schatten ist kein Vergnügen. Bleibe also einige Tage hier. Ausschlafen ist nur bis 7.30 Uhr möglich. Dann scheint die Sonne aufs Zelt und es wird zu heiß. Zum Frühstücken suche ich eine Schattenecke auf. Danach geht es ins Schwimmbad zum Abkühlen. Die Wassertemperatur entspricht mir mit 26 Grad.
Das Nachbarpaar an den ersten zwei Tagen sind beide Lehrer aus Steinfurth. Hilfsbereit, sie stellten mir einen Hocker und kochendes Wasser am Morgen zur Verfügung. Aber sehr anstrengend. Ich bekomme sehr viele Dinge erzählt, die ich nicht erfragt habe und die mich nicht interessieren. Zu allem wussten sie endlos viel zu erzählen. Bin froh als sie wieder weiterfuhren, zumal der kleine dicke Nachbar nachts so laut schnarchte, dass ich mein Oropax aktivieren musste.

Nach dem Baden bin ich am ersten Tag in die Stadt gefahren. Graz ist Weltkulturerbe. Es gibt alte und schöne Gebäude, kleine Läden, natürlich auch die Kettengeschäfte. Viele Touristen sind unterwegs. Die Holländer werden dieses Mal von den nahe wohnenden Italiener übertroffen.
Auf dem Hauptplatz findet ein Lesereisefestival statt. Auf großen Kissen kann ich im Schatten sitzen, dösen und Lesungen zuhören. Am Abend liest ein bekannter österreichischer Schriftsteller, Folke Tegetthoff aus seinem letzten Werk vor. Anstatt ein Buch in die Hand zu nehmen trägt er aus einem e-Book vor. Sein Thema „Glücklich in 3 Sekunden“ ist interessant, die Gegenwart besteht nur aus diesen 3 Sekunden. Davor, danach ist bereits die Vergangenheit bzw. die Zukunft.
Bei einem weiteren Stadtbesuch erkundige ich den Schlossberg und Straßen etwas abseits vom Zentrum auf der anderen Murseite. Dort sind die Häuser nicht mehr in ganz so gutem Zustand. Das Viertel wirkt deutlich ärmer.

Die Steiermark ist die Heimat von Peter Rosegger. Gerade wird sein 170. Geburtstag gefeiert. Habe in frühen Jahren seine Kindheitsbiographie „Als ich noch der Waldbauernbub war“ gelesen.

Andere Tage habe ich es wegen der Hitze nicht in die Stadt geschafft. Mit den österreichischen Nachbarn unterhalten, im Schatten am Schwimmbad gelegen, geschwommen – immer die Sonne meidend. Mir werden Tisch und Stuhl zur Verfügung gestellt, inkl. Nutzung eines Kühlschranks (von einer netten Nachbarin gegenüber). Kann jetzt wieder Käse kaufen und sogar ein Bier kaltstellen.

Auf dem Campingplatz habe ich einen Radler vom vorherigen Platz wiedergetroffen. Wir sind ein Bier trinken gegangen. Er ist Kolumbianer, wohnt in Italien, 31 Jahre alt und arbeitet demnächst freiwillig für einen Monat auf einer Farm im Umfeld von Graz. Vorher war er in Deutschland und hat in Holland auf einem Bauernhof gearbeitet. Die Wege legte er mit dem Fahrrad zurück. Er weiß nicht welche Arbeit zum Geldverdienen er demnächst bekommt. Trotzdem sehe ich seine Lebensfreude. Er ist unbekümmert und spontan. Solche Eigenschaften sind mir im Laufe des Lebens etwas abhanden gekommen. Ich plane viel, das Spontane fehlt mir. Könnte mir nicht vorstellen ohne Karte – wie er – zu fahren.

Das Wetter bleibt unbestimmt lange sehr heiß – wohl bis Donnerstag, wenn die Vorhersage sich nicht wieder korrigiert. Werde mich wohl erst am Freitag auf den Weg machen.

Da ich viel Zeit habe, die Abende demnächst länger werden, besitze ich seit gestern ein 190 g schweren e-Book-Reader. Einige e-Bücher lagerten bereits auf meinem Netbook.

Entlang der Mur.

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Juli 312013
 

DSC0056285. Reisetag

4681 km

 

Die Sonne heizt mich schon am Morgen auf. Fahre die Mur stromab. Bin leider kein Fischlein, dann würde es nur bergab gehen und für Kühlung wäre gesorgt. Der Radweg nutzt die Hanglagen auf beiden Seiten des Flusses. Mittags mache ich auf einer Bank ein kleines Schläfchen. Hinterher bin ich ausgeruht, die Temperatur ist aber weiter gestiegen. In Judenburg esse ich ein Steierer Becher Eis – Vanilleeis mit (Kürbis-)Kernöl. Die Steiermark ist das Kürbisanbaugebiet Österreichs. Bin an diversen Kürbisfeldern vorbeigefahren.

In der Eisdiele tausche ich das mittlerweile heiße Wasser der Trinkflasche gegen kaltes und fahre die letzten Kilometer zum 50plus-Campingplatz. Der Zusatz treibt den Übernachtungspreis in die Höhe. Mehr Komfort ist nicht angesagt. Habe gerade mein Zelt aufgebaut, da setzt ein Sturm mit Regen ein. Die düsteren Wolken kündigten ihn bereits an. In einem Unterstand verbringe ich das kleine Unwetter. Danach ist es etwas kühler.
Esse ein erstaunlich gutes Abendgericht in einem nahen Landgasthof. Bin müde durch die Hitzefahrt. Verziehe mich früh ins Zelt.

Am nächsten Morgen ist der Himmel bewölkt – wie schön. Es ist angenehm warm, aber nicht heiß. Das Fahren bringt Spaß und strengt nicht an. Anfangs ist das Murtal breit. Getreide und Maisfelder säumen den Weg. Viele Scheunen mit ihren spitz zulaufenden und mit Ziegeln verkleideten Fenstern lassen diese wie Kirchenschiffe aussehen.
Das Tal ist relativ dicht besiedelt von kleinen und größeren Orten. Im gebirgigen Österreich sind die Täler die Transportwege. Je enger das Tal, desto mehr drängeln sich Eisenbahn, Autobahn, Straße und die Fahrradwege. Kurz vor Bruck wird auch das Murtal eng. Schön zwischen den Verkehrswegen liegt mein Campingplatz. Dank Oropax habe ich gut geschlafen.

Am nächsten Morgen bemerke ich an meinem Fahrradschloss einen nächtlichen Angriff – zum Glück laienhaft. Hatte es am Abend – etwas abseits vom Zelt – mit zwei Schlössern am Fahrradständer und einem weiteren Metallgitter befestigt. Das leichtere biegsamere Schloss war an-, aber nicht durchgeschnitten. Das stabilere ist heil geblieben. Nehme es als Hinweis große Sorgfalt bezüglich Sicherheit walten zu lassen. Bin bisher eher lax damit umgegangen.

Entgegen der Vorhersage ist der Himmel am Morgen wieder bewölkt. Freue mich darüber, denn die Hitze lässt mich nicht nur schwitzen, sie raubt auch meine Energie.

Der Sturm vom Vortag hat deutliche Schäden hinterlassen. Viele Bäume sind umgeknickt. Das beschädigte Wahlplakat der SPÖ „Stürmischen Zeiten“ zeigt die leeren Worte der Politiker.

Das Tal bleibt eng und bewaldet. Die Fahrt geht auf schönen kleinen Wegen nicht allzu sehr in die Höhe. Die Autobahn verschwindet in den Berg. Die Mur und auch die anderen Flüsse sind schnellfließend mit – trotz der Trockenheit – viel Wasser. Da verschwinden in den Höhen wohl die Gletscher. An schmalen Abschnitten wird die Mur zu einem langgezogenen See mit Staudamm für die Stromerzeugung.

Manchmal kommen mir Radreisegruppen entgegen. Sie werden mit Bus und Anhänger zu schönen Abschnitten gefahren und dann losgelassen. Die Kirchen sehen von außen schlicht aus. Drinnen sind sie fast erdrückend überladen. Viel Arbeit für den, der staubwischen muss.

Nach etwa 60 km komme ich am Nachmittag in Graz – der Hauptstadt der Steiermark an.

 

Der Sölkpass zeigt es mir.

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Juli 282013
 
DSC00461

Früh am Morgen.

82. Reisetag

4481 km

 

Am Morgen geht es kräftig 400 m in die Höhe. Ein Pass von knapp 1000 m ist zu überwinden. Die Straße liegt zum Glück auf weiter Strecke im Schatten. Die sonnige Abfahrt wird durch den Fahrtwind ein wenig gekühlt. Wieder unten im breiten Tal der Enns fahre ich auf einem Radweg. Dieser führt mich ausnahmsweise ohne Steigungen zu dem Campingplatz in Schladming. Verbringe hier die letzte Nacht diesseits der Alpen.

Früh habe ich am nächsten Tag den Platz verlassen. Bereits vor 7 Uhr fahre ich los. Es soll wieder heiß werden. Die Gradlinigkeit des Ennsradweg ist dahin. Die Orte auf beiden Seiten des Tales, auch am Hang liegen auf der Route. Die heimische Gastronomie war wohl an der Wegplanung beteiligt. Nach gut 20 km erreiche ich den Beginn der Passstraße. Meine Höhe beträgt 675 m. Ab jetzt beginnt die Steigung über 24 km auf 1790 m Höhe. Die ersten 10 km meistere ich ohne Probleme. Die Temperatur steigt, die Straße auf den nächsten 10 km mit 9 bis 12% Steigung steigt noch mehr an. Hätte nicht gedacht, dass es für mich so anstrengend wird. Meine Betriebstemperatur ist bereits auf höchstem Niveau. Kein Schattenplatz ist zu erwarten, die Sonne brennt. Rudel von Motorradfahrern sind unterwegs. Ihr Vorbeifahrlärm schmerzt richtig. 300 Höhenmeter und 3 km vor dem Gipfel sehe ich einem Gasthaus. Trinke eine kalte Apfelschorle und stelle fest, dass auch ein Lager angeboten wird. Die Entscheidung steht fest. Den letzten Abschnitt werde ich am nächsten Tag in aller Frische zurücklegen. Mache ein Nachmittagsschläfchen. Am Abend esse ich leckere würzige Käsnockerln. Unterhalte mich mit dem Wirt. Verstehe in schwer. Im Sommer bewirtschaftet er die Hütte, im Winter arbeitet er im Tal am Skilift. Früher ist er Bauer gewesen.

Habe in der Nacht gut geschlafen. Beim Frühstück mein erstes Brot seit den Heimaturlaub in Bonn gegessen. (Es gibt sonst immer Müsli). Die Übernachtung in Lager (8-Bett-Zimmer, es gab aber nur einen Zimmergefährten) inkl. gutem Frühstück kostet mit 15 Euro weniger als mancher Campingplatz.

Die Weiterfahrt zeigt mir dann meine Grenzen auf. Drei Kilometer mit regelmäßig 12% Steigung ist zu anstrengend für mich mit meinen 30 kg Gepäck. An jeder Kehre und manchmal auch dazwischen muss ich eine Pause einlegen um wieder Energie zu sammeln. Um 8.30 Uhr ist es bereits heiß. Ein Glück, dass ich am Vortag einen Übernachtungsplatz gefunden hatte. Nach der Passhöhe geht es in steiler Abfahrt herunter. Mein Zimmernachbar hat mir einen Abstecher in die Krakau Ebene empfohlen. Ist mir an diesem Tag zu heiß einen Umweg zu fahren, der noch 300 m in die Höhe gehen würde. Unten im Tal der Mur finde ich einem schönen Campingplatz direkt am Fluss.