Aug. 262012
 

131. Reisetag

7958 km

 

290 Jahre zu spät angekommen. Sonst könnte es toki nova heißen. Die Schotten waren schneller. 1723 erreichten sie Pictou, dem Anlegeort der Fähre.
Ich bin jetzt in Nova Scotia angekommen. Meine weitere Strecke wird entlang der Küste Richtung Osten gehen.

In der Nähe des Fähranlegers gab es einen Supermarkt. Für zwei Tage im Voraus versuche ich immer Lebensmittel dabei zu haben. Diese sind recht teuer in Kanada. Ein Hohn ist es, wenn ich durch meinen Einkauf mir 8 Flugmeilen gutschreiben lassen kann.
Zum nächsten Zeltplatz musste ich vier km in Gegenrichtung fahren. Mit Blogschreiben den späten Nachmittag verbracht.

Morgens weckte mich die Sonne im Zelt. Beim Verlassen des Zeltplatzes fiel mein Blick auf die Schornsteine einer Pulp-Fabrik. Musste in der Nähe vorbeifahren. Die Luft roch nach Pipi.
Den ganzen Tag entlang der Küste geradelt. Die Straße windet sich um jede kleine Bucht. Es gibt viele davon und tiefe breite Einschnitte von Flussläufen. Auf der Karte nach 70 km Straßenfahrt kaum vorangekommen. Kein Problem, an diesem Tag wollte ich nur einen bestimmten Campingplatz erreichen. Diesmal wieder einen Platz direkt am Wasser erhalten. Es wehte ein steifer Nordwest-Wind. Wenn dieser bis zum nächsten Tag anhält trifft er mich von der Seite hinten. Tut er aber nicht. Will jetzt nicht mehr schlecht über den Wind schreiben, vielleicht beruhigt er sich. So hatte er am Abend mit einer steifen Prise mir die Mücken vom Leibe gehalten. Am Morgen schlugen diese aber bei annähernder Windstille erbarmungslos zu. Bis ich die Gefahr erkannt hatte waren schon viele Stiche an den Beinen plaziert.

Bei schönstem Wetter und frischer Luft, ging es weiter entlang der Küste – diesmal gab es keine tief ins Land reichende Buchten. Das Fahren machte mir richtig Spaß.
Ein trockener Waschbär lag neben der Straße. Der wenige Verkehr hatte ihn erwischt. Nur alle ca. 5 Minuten fuhr ein Auto an mir vorbei.
Das Eichhörnchen war kleverer.
Die Lobsterfallen werden mit Gammelfleisch gefüllt. Die Lobsterpreise sind aber im Keller, wurde mir erzählt.
Die Ortsnamen auf den Schildern sind hier englisch und gällisch.
Mitten in der Einsamkeit hörte ich einen Dudelsack. Hatte angehalten und zugehört. Die Familie kam dazu, einen Plausch gehalten. Mir wurde ein Glas Orangensaft angeboten und einige Muffins mit auf dem Weg gegeben. MacDonald ist der häufigste Familienname in der Region, so hieß auch diese Familie.

Der Blick über die Weite des Meeres wurde immer schöner, je höher die Straße mich führte. (Fuhr aber auch oft wieder runter.) Er erinnerte mich an die Sicht auf die Schneeberge in den Rocky Mountains und löste ähnliche Gefühle in mir aus. Am Cape George in ca. 100 m Höhe steht ein Leuchtturm. Lange hatte ich davor auf einer Bank gesessen und aufs Meer geschaut.
Ein Traum wäre es gewesen dort einen Wal zu sehen. Noch wurde mir dieser Wunsch nicht erfüllt.

In einem ständigen Auf und Ab ging es weiter zum Campingplatz in Antigonish. Die vorhanden Campingplätze bestimmen zur Zeit meine Wegstrecke. Den Abend mit den Zeltnachbarn vorm Feuer verbracht. Sie wohnten nur ca. 15 km entfernt, hatten aber Lust zum Zelten.
In der Nacht wurde es im Zelt bereits kühler. Sollte der Sommer vorbei sein? Am Morgen triefte das Zelt vor Taunässe.
Hatte an diesem Tag keine weite Strecke vor mir. Ließ es weitgehend in der Sonne trocknen und machte mich gemütlich auf den Weg zum nächsten Übernachtungsplatz. Musste leider 15 km auf einem stark befahrenen Highway zurücklegen bis ich wieder auf eine kleinere Straße abbiegen konnte.

Aug. 232012
 

128. Reisetag

7752 km

 

Für Fußgänger und Fahrradfahrer verboten. Ich hatte mich vorher informiert und war nicht erschrocken. Es gibt einen Shuttleservice, der mich und mein Fahrrad beförderte.
Die Brücke mit 13 km Länge ist die längste Brücke über eine zeitweise mit Eis bedeckte Wasserfläche – so heißt es. In wärmeren Gegenden muss es also eine noch längere geben. Ein Blick auf die Wikipedia-Seite zeigte mir, dass es in China mit 36 km eine längere über das Meer gibt.

Diese Brücke mit dem langweiligen Namen „Confederation Bridge“ verweist auf die Charlottetown-Konferenz im Jahr 1864 in Charlottetown, der Provinzhauptstadt von Prince Edward Island, bei der die Grundlage für die Kanadische Konföderation gelegt wurde.

Ich bin jetzt in der kleinsten Provinz Kanadas angekommen, auf der Prinz Edward Island oder kurz PEI, wie sie hier genannt wird.
Die Insel ist unterteilt in West, Mittel und Ost. Und wie heißen die Abschnitte wohl? Prince, Queen und King – kein Kommentar dazu.
Bei der Ankunft Informationen im Touristenbüro eingeholt. Diesmal waren sie so, wie ich es mir wünschte. Es gibt den TCT auf alten Schienenwegen, vorbildlich in einer kleinen Broschüre beschrieben. Ich kann die Insel fast nur auf dem Trail durchfahren.

Die Nacht verbrachte ich auf einem Zeltplatz ganz in der in der Nähe meiner Ankunft. Am Abend gab es dort eine Musikveranstaltung. Country Musik gespielt/gesungen von drei Musikern mit Einlage eines Chores. Ich war einer der jüngeren Zuschauer.

In der Nacht regnete es sehr heftig, mit entferntem Donner. Mein Becher auf dem Tisch war am Morgen ca. 3 cm mit Wasser gefüllt. Wegen des Regenlärms nicht sonderlich gut geschlafen. Am Morgen war es wieder trocken. Eigentlich nicht schlecht für mich der nächtliche Regenrhythmus. Der Trail begann gleich hinterm Zeltplatz. Ohne nennenswerte Steigungen konnte ich die hügelige Landschaft durchfahren. Der Trail war in einem sehr guten Zustand. Für mich bedeutete es ein gemütliches Fahren, in einer Landschaft wie bereits oft gesehen. Also fast ein wenig langweilig.

Es gab viel Landwirtschaft, diesmal häufig mit Kartoffelfeldern. Die Erde war rot gefärbt. Im Gegensatz zum Festland durchzog ein enges Straßennetz die Insel.

Am Nachmittag erreichte ich die Provinzhauptstadt Charlottetown. Eine kleine Stadt mit einigen schönen älteren Steinhäusern und den üblichen Holzhäusern.
Die Jugendherberge war voll, wurde aber an eine kleine B&B-Pension vermittelt. Auch hier wieder eine runde Frau und ein Mann der die Arbeit machte.
In Charlottetown machte ich einen Tag Pause, Sightseeing, Blog schreiben und ausschlafen.

 

Weiter ging es auf dem Trail bei schönstem Wetter mit wenigen Steigungen. Wäre ich nicht schon so lange durch diese Landschaft gefahren würde ich sie schön finden. Die Weitsicht über die Sumpf- und Wasserflächen genoss ich aber. Das üppige Isländische Moos erinnerte mich an meine Modelleisenbahn. Damit hatte ich die Landschaft „bepflanzt“.

Habe einen Zeltplatz, etwas duster im Wald, in der Nähe eines breiten Flussarmes gefunden. Diesmal gab es viele Geräusche, die mich nachts aufschreckten. Den Inhalt meinen Abfallbeutel musste ich am anderen Tag zusammensuchen.

Die Luft ist frisch, blauer Himmel. Der Tag lag vor mir. Was für ein Geschenk.
Eine Keil Wildgänse überflog mich mit Geschrei. Da merke ich, dass mein Fernweh noch nicht gestillt ist.

Es gab eine Lücke im Trailnetz. 25 km Fahrt auf der Straße war angesagt. Es ging von Seelevel auf 130 m hoch und wieder runter, in einer ständigen Wellenbewegung. Der Wind hatte was gegen mich. Er kam aus dem Süden, ich fuhr gen Süden. Auf dem Trail konnte er mir nicht beikommen. Ich fuhr langsamer und häufig waren am Wegrand schützende Bäume und Büsche.

Die Insel verließ ich diesmal mit der Fähre. Dort reihte ich mein Fahrzeug entsprechend ein. Nur hatte ich keine Beifahrerin. Für die 22 km benötigte die Fähre ca. 1 h.

 

Aug. 192012
 

124. Reisetag

7535 km

 

Von Moncton an die Küste war es nicht weit. Anfangs auf einem 10 km langem Fahrradweg und dann auf einer kleineren Straße. In Meeresnähe werde ich mich die restliche Zeit meines Kanadaaufenthaltes bewegen – in den Maritimen Provinzen wie sie hier genannt werden. New Brunswick gehörte bereits dazu.
Der Gartenzwerg ist von einem Leuchtturm im Garten abgelöst.

Sobald ich die Küstenstraße erreicht hatte traf ich auf den Wochenendausflugsküstenverkehr. Die Stadt Shediac mit einem riesigen Lobster an der Einfahrt nennt sich „Lobster Capital of the World“. Der Lobster ist allgegenwärtig. Die Touristen lieben wohl Auto- und Menschenmassen und Einkaufsmöglichkeiten von Dingen, die man eigentlich nicht gebrauchen kann. Ein Glück für mich, dass sie sich hier konzentrieren und andere Flecken damit freihalten.

In einem Lebensmittelmarkt tätigte ich meine Einkäufe und suchte einen ruhigen Platz am Meer auf. Dort das eben erworbene Baquette mit Käse gegessen, mit Sicht auf den Jachthafen.

Danach noch ca. 15 km weiter entlang der Küste Richtung Osten gefahren. Der Verkehr ließ bald deutlich nach. Auf einem schönen Campingplatz direkt am Wasser mein Zelt aufgebaut. Vom Vortag hatte ich noch eine 1/2 Flasche Wein, stillos abgefüllt in eine kleine Plastikflasche. Mit dem Rest Baquette und Käse war es mein Abendbrot.

Die Küste liegt am großen Golf vom Sankt Lawrence Strom. Das Wasser ist erstaunlich ruhig mit wenigen Wellen. Ebbe und Flut machen sich natürlich bemerkbar. Bei eintretender Ebbe kamen viele Reiher und warteten auf ihre Mahlzeit. Die Sonne ging schön unter und die Mücken kamen raus. Hatte mich deswegen zeitig ins Zelt verkrochen. Kaum war ich darin fing der Regen an, der die ganze Nacht durchhielt. Trotzdem gut geschlafen und mit dem endenden Regen war auch der Morgen da. Vorm Zelt gefrühstückt und Zelt fast trocken abgebaut.

Die Wolken hingen tief. Es wurde gar nicht richtig hell an diesem Tag. Bald schon setzte der Regen für mehrere Stunden ein. Die Fahrt ging auf und ab entlang der Küste, oft mit Weitsicht. Die altbekannte Landschaft des kanadischen Schildes. Jetzt zusätzlich mit Sicht aufs Meer. Ab und zu fischverarbeitende Betriebe neben der nicht sehr häufigen Landwirtschaft.

Einmal wollte ich von einer Wiese aus ein (wunderschönes) Foto mit Blick auf einen See und Meer im Hintergrund machen. Ein Blick auf mein Bein trieb mich direkt in die Flucht. Viele Mücken waren bereits am Saugen und noch mehr im Anflug.

An Häusern, Telegraphenmasten und allen möglichen Gegenständen tauchten in massiver Häufigkeit die Farben Blau Weiß Rot mit Stern im Blauen Feld auf. Die Flagge der Acadian.
Französische Siedler hatten sich im 17. Jahrhundert hier niedergelassen in Acadia, einer Kolonie von „New France“. Die Nachkommen sind noch heute Stolz auf ihre Herkunft.

Am frühen Nachmittag erreichte ich die Brücke, die mir die Weiterfahrt auf die Prinz Edward Insel ermöglichen sollte.

Aug. 172012
 

122. Reisetag

7405 km

 

Seit 4 Monaten bin ich unterwegs. Das Leben auf dem Fahrrad ist mein Alltag. Es ist Routine geworden, ein wenig wie zur Arbeit zu gehen. Ich fahre.
Das morgendliche Radeln gefällt mir besonders. Am Nachmittag freue ich mich auf meinen Übernachtungsplatz.
Im Zelt schlafe ich lieber als in festen Unterkünften, mit der Ausnahme bei Dauerregen oder Kälte. Bin selten richtig erschöpft, kurzfristig am Berg schon. Der Gegenwind setzt mir zu. Stelle mir vor, wie schön er als Rückenwind wäre. Ist er natürlich nicht. Die Fahrt bei der Hitze durch die Provinz Ontario war sehr anstrengend. Gehört alles zu so einer Tour. Es gibt genau so viele besonders schöne Abschnitte. Viele Erlebnisse in Britisch Columbia und in den Rocky Mountains gehören dazu. Wieder auf dem TCT zu radeln und vieles mehr.

Lebe im Jetzt – dass ist wunderbar. Gestern und Morgen beeinflussen meinen Tag kaum.

Meine Stimmung war gut nach 2 Tagen Ruhe und ich freute mich auf die Straße.

Der Morgen war nebelig aber trocken. Auf einer alten Eisenbahnbrücke überquerte ich den breiten St. John River, um die Uferstraße auf der anderen Flussseite zu erreichen. Oft hatte ich einen weiten Blick über den Fluss und die Flussinseln. Seeadler flogen über den breiten Strom, der oftmals wie ein großer langer See wirkte. Bauern boten ihre Feldfrüchte an. Eine große Kartoffel lockt wohl die Kunden. In der Flussebene wird Landwirtschaft betrieben, oft unterbrochen von Buschland und Sumpf.

An einem Restaurant mitten in der Einsamkeit angehalten, um ein zweites Frühstück einzunehmen. Zu meinem Erstaunen war es voll. 3 Pfannkuchen mit Sirup gegessen.

Die Flussebene verließ ich nach 55 km. Es wurde hügeliger. Bei Kilometer 75 km tauchte ein Schild Campingplatz auf. Eine abendliche Dusche war sehr verlockend. Ich hatte mich innerlich auf Wildzelten eingestellt. Da es auf der gesamten Strecke zur nächsten Stadt Moncton keinen größeren Ort gab. Der Wetterbericht hatte für den Nachmittag Regen angekündigt. Auf dem Platz gab es einen überdachten offenen Raum. Da konnte ich mir sogar etwas im Trockenen kochen. Der Regen setzte bald nach meinem Eintreffen ein. Ein pensionierter Feuerwehrmann gesellte sich dazu. In Pension kann man in Kanada gehen, wenn man mindestens 55 Jahre alt ist und 34 Jahre in den Pensionsfond eingezahlt hatte. Traf relativ häufig „junge“ Pensionäre.

Nach so einem Radeltag habe ich häufig Lust auf ein Bier abends. Auch an diesem Abend. Einfach kaufen an einem Kiosk geht nicht. Nur in einem Laden mit Lizenz. Ich dachte ich versuche es mal mit Gedankenübertragung. Es war mir gelungen. Mein Gesprächspartner stand auf und sagte „ich hole uns mal ein Bier“.

Der Regen hörte nicht auf. Er verstärkte sich über Nacht. Im Zelt kein Problem. Die Regentropfen machten einen gehörigen Lärm auf der Zeltplane. War häufig wachgeworden. Am Morgen regnete es immer noch.
Meine Frühstückszeremonie wieder in der Schutzhütte abgehalten. Im aufhörenden Regen das Zelt nass abgebaut. Die Trinkflaschen mit Wasser füllen. Etwas verspätet war ich wieder auf der Straße. Hügelauf und ab ging es durch die typische Landschaft es kanadischen Schildes. Auf den nächsten 90 km entlang des Flusses Canaan gab es ein paar bewohnte Häuser, viele verlassene und ab und zu einen Bauernhof. Manchmal sogar größere Gehöfte. Beliebt ist die Farbe rot. Raps-, Getreidefelder und Wiesen unterbrachen die überwiegenden Wald- und Buschflächen. Ein Friedhof der ersten Siedler war noch vorhanden. Die vorher bemerkte Häufigkeit von Friedhöfen hängt mit den unterschiedlichen Kirchen zusammen. Jede hat ihren eigenen Acker.
Überdachten Brücken gehören wohl zur Region.

Das Fahren wurde monoton. Zur Abwechslung fand ich heraus, dass auf 11 Straßenkilometer sich die Hausnummern um 1000 ändern. Es standen aber keine 1000 Häuser an der Straße.

Moncton ist eine größere Stadt. Der Verkehr wurde 20 km vorher deutlich stärker. Von überall her tauchten wieder Straßen auf.
In einem Backpackerhostel fand ich meinen Übernachtungsplatz. Konnte am Abend im vegetarischen Restaurant essen gehen.