Der Hauraki-Railtrail.

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Nov 192016
 

dsc0618538. Reisetag

985 km

280 km Bus

 

Ein schweres Erdbeben erschüttert in der Nacht die Südinsel Neuseelands. Am Morgen ist es das Thema auf dem Campingplatz. Wir wissen nicht, ob es unsere Reisepläne beeinflussen wird, da das Zentrum auf der Südinsel lag.

Wir entscheiden uns nach Auckland mit dem Bus zu fahren. Es gibt zu wenig Nebenstrecken um die Hauptverbindungsstraße mit dem vielen Verkehr zu meiden. Im Bus gibt es erstaunlicherweise gute Internetverbindung. Per Mail können wir die Daheimgebliebenen informieren, dass wir vom starken Beben nichts mitbekommen haben. Auckland ist nur Zwischenstation auf der Fahrt in den Süden.

Wie in allen größeren Städten frischen wir unsere Vorräte auf. Trotz großem Supermarkt sind die Preise hoch und oft nicht nachvollziehbar. So kostet ein deutsches importiertes Bier, deutlich weniger als sein neuseeländisches Gegenstück. Als Agrarland mit vielen Kühen sollten Milchprodukte eigentlich günstig sein, stimmt aber nicht. Die Käseherstellung ist auf der Cheddarproduktion stehen geblieben. Die neuseeländische Butter ist in Deutschland günstiger als in den hiesigen Auslagen, sagte mir ein hier lebender Deutscher. Brot bedeutet Toastbrot und wird meterweise in Regalen angeboten.

Wir verlassen Auckland wiederum mit dem Bus. Es regnet und wir sind froh die nächsten 120 km im Trockenen zurückzulegen. In Thames, am Randes der Coromandel-Halbinsel steigen wir aus. Im Ort treffen wir auf ein Deutsches Radlerpaar mit 11 monatigem Kind. Trotz heftiger werdenden Regens übernachten sie im Zelt. Wir sind weniger genügsam und suchen uns eine feste Unterkunft. Nach dem letzten – so hoffen wir es – kräftigem Regenschauer am nächsten Morgen verlassen wir unsere etwas angeplüschte Pension. Die Weiterfahrt erfolgt erstmals auf einem Weg nur für Radfahrer und Fußgänger, dem Hauraki-Railtrail. Ein alter Eisenbahndamm wurde entsprechend umgebaut. Wie es bei den Neuseeländern so ist, alles muss perfekt sein. Eine Hauptstraße wurde untertunnelt, der Weg beidseitig eingezäunt und die unzähligen Weidenübergänge mit holprig zu befahrenen Kuhbremsen bestückt.

Wir fahren durch ein breites Tal umgeben von endlosen Weiden. Immer geradeaus, fast etwas langweilig aber angenehm.
Ein Schrei von Marie schreckt mich bei einem Halt auf. Den Flügelschlag eines Vogels nehme ich noch war. Sie wurde hinterrücks von diesem attackiert.

In der Kleinstadt Paeroa mieten wir uns für zwei Nächte in ein Motel ein, Dauerregen ist für den nächsten Tag vorhergesagt. Nach einem sonnigen Morgen gibt es am Nachmittag einige heftige Güsse. Wir genießen das Nichtstun und stellen fest, der Wetterbericht ist ein unzuverlässiger Tourenplaner.

Einen wunderschönen Seitenabstecher machen wir am nächsten Tag durch die Karangahake Schlucht. Entlang eines Flusses und wiederum auf einem alten Bahndamm radeln wir gemächlich in die Höhe.
In diesem Tal gab es einst die reichste Gold- und Silbermine Neuseelands. Der Abbau wurde 1952 eingestellt. Ruinen der alten Anlagen sind noch am Wegesrand zu finden. Dank effizienterer Technik wurde ab 1988 die Goldgewinnung wieder aufgenommen. In Waihi, unserem Zielort, ist durch den Tagebau ein riesiges Loch entstanden.
Ansonsten hat der Ort den Charme der anderen Städte mit typischen flachen „Westernbauten“ entlang der Hauptgeschäftsstraße. Zur unserer Freude entdecken wir ein Schild „German Bakery“. Der erste Gedanke: Endlich wieder ein leckeres Brot und das gibt es wirklich.

Unser Zelt schlagen wir auf einer Wiese direkt neben dem alten restaurierten Bahnhof auf. Das ist erlaubt, da es eine Toilette gibt. Drei mal am Tag fährt für die Touristen eine alte Diesellock mit Rauchaufsatz auf der alten Bahnstrecke die ersten 10 Kilometer talabwärts.

Auf dem überdachten Bahnsteig nehmen wir unser Frühstück ein, da es ein wenig nieselt. Anschließend geht’s mit dem ersten Zug und danach mit dem Rad talabwärts um weiter auf dem Trail zur Endstation des Radwegs zu fahren. Die letzten Kilometer bei strömenden Regen. Nass und frierend erreichen wir einen Campingplatz und sind froh in einer Cabin die Nacht verbringen zu können.