Timisoara.

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Aug. 272013
 
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Auf dem Blumenmarkt.

113. Reisetag

5524 km

 

Timisoara oder deutsch Temeschwar (viele rumänische Städte haben auch deutsche Namen) ist nach Bukarest die zweitgrößte Stadt Rumäniens. Sie besitzt eine Universität und ist kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region Banat.
Die rumänische Revolution gegen die Diktatur Ceausescus hatte ihren Ursprung in Timișoara. Die revolutionären Ereignisse breiteten sich von hier im gesamten Land aus und führten dazu, dass Ceaușescu 1989 gewaltsam gestürzt wurde.

Die Innenstadt ist geprägt von seinen Barock- und Jugendstil-Gebäuden aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie wird wegen der langen Zugehörigkeit der Stadt zu Österreich-Ungarn und der damit verbundenen Bauten aus der Kaiserzeit auch als „Klein-Wien“ bezeichnet.

Die Hochzeit ist lange vorbei. Die Gebäude sind grau geworden, Stuck und Putz fallen herunter, manche Häuser sind kaum noch bewohnbar. Das historische Zentrum soll aus ca. 15.000 dieser Bauten bestehen, nur einige sind renoviert und bringen etwas Farbe in die graue Stadt.

Es bringt Spaß die Stadt mit ihren unterschiedlichen Häusern zu erkunden. Ich versuche mir vorzustellen wie es wohl zur Blütezeit vor 100 Jahren hier gewesen ist.

Ob es damals auch schon so viele Tauben wie heute gab? Diese werden genügend gefüttert. Wenn nicht gefressen wird, sitzen und kacken sie herum. Man kann sie greifen. Kinder laufen mit ihnen herum.

Das heutige Stadtzentrum an der Piața Victoriei, besteht aus einem breiten Boulevard mit Geschäften und Straßencafés. Auf einer Stirnseite steht das Nationaltheater, am anderen Ende die rumänisch orthodoxe Kathedrale der Heiligen drei Hierarchen.

Beim Gang über den Markt am Sonntag sind nur vereinzelt Gemüse- und Obststände offen. Unterhalte mich mit einem deutsch sprechenden Melonenverkäufer. Wenn er 30 Melonen am Tag verkauft ist es ein gutes Geschäft. Der August ist bisher schlecht gelaufen. In der Abteilung Blumen herrscht rege Beschäftigung. Diverse Gestecke werden angefertigt, mit dem Schwerpunkt Trauerfall. In der Halle steht der schwere Geruch der Lilien. Im großer Kleidermarkt auf der anderen Flussseite kam ich mir fast vor wie im Basar in Istanbul. Nur das Sortiment ist ein wenig anders.

Gegenüber der Markthalle ist gerade ein orthodoxer Gottesdienst zu Ende. Die Kirche ist voll gewesen. Beim Hinausgehen kann sich jeder aus einer Schale eine Handvoll Brotwürfel mitnehmen. Diese werden gleich gegessen.

Am Nachmittag besuche ich einige der vielen Parkanlagen der Stadt. Die älteren Männer spielen Karten, Schach und Domino. Für die Unterhaltung speziell der Kinder ist am Sonntag gesorgt. Sie können Kanufahren, rutschen, schaukeln, wippen, sich bemalen lassen oder selber etwas malen.

Bisher wurde ich auf meiner Tour nie übers Ohr gehauen. Die österreichische Raiffeisenbank an ihrem Geldautomaten hat es geschafft. Ich bekam einen 10% niedrigeren Betrag ausgezahlt als in einer Wechselstube.

Meine Unterkunft ist recht einfach und klein. Die zwei Mehrbettzimmer sind voll belegt. Es gibt nur einen Private Room, in dem wohne ich. Die jungen Mitbewohner verbringen ihren Tag vorwiegend am Computer und Smartphone, seltener mit einem Buch, nachts geht’s in die Disco.
Keine 5 Minuten von meiner Unterkunft entfernt ist ein vegetarisches Restaurant mit vorzüglichem Essen.

Die Hitzewelle scheint vorbei zu sein. Es regnet häufiger und die Temperaturen gehen zurück.

Habe in dieser Stadt viele Gebäude fotografiert. Hoffe es wird nicht langweilig. So eine Fülle von interessanten Häusern habe ich noch nie gesehen.

 

Nach Rumänien.

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Aug. 232013
 

DSC01464108. Reisetag

5524 km

 

Von Novi Sad nach Timisoara sind es 160 km. Leider muss ich die Strecke auf einer stark befahrenen Straße fahren. Es gäbe auch weniger befahrene Straßen nach Rumänien. Die Grenzstationen dort sind leider geschlossen.

Sobald ich Novi Sad verlassen habe fängt es an zu nieseln. Dieser geht in einen länger anhaltenden Regen über. Zum ersten Mal seit ich vom Bodensee unterwegs bin ziehe ich meine Regensachen an.

Auf flacher Straße fahre ich entlang von riesigen Mais- und verblühten Sonnenblumenfeldern. Orte gibt es nicht. Ganz selten sehe ich kleine Gehöfte.

Nach 50 km erreiche ich die Stadt Zrenjanin, die einzige Möglichkeit für eine Übernachtung auf meinem Weg nach Timisoara. Es hört gerade auf zu regnen.

Halte am Eingang der Stadt um mich zu orientieren. Werde auf Englisch von einem Mann angesprochen und zu einem Kaffee eingeladen. Er ist begeisterter Rennradfahrer und arbeitet als Fahrradmechaniker. Wir fahren in die Stadtmitte. Bin überrascht nach den eher tristen Vororten ein schönes Zentrum zu sehen. Eine autofreie Straße zieht sich als Fußgängerzone hindurch. Direkt daneben ein Hotel in dem ich mich einquartiere.

Am Abend revanchiere ich mich für den Kaffee mit einer Essenseinladung. Unsere Unterhaltung auf Englisch ist nicht ganz einfach. Verstehe in etwa, dass seine Eltern in Tübingen arbeiten und er sie demnächst besuchen wird. Er besitzt ein Haus in der Stadt, hat zwei Kinder.

Am Morgen bietet das Hotel ein erstaunlich umfangreiches Frühstücksbüffet. Bin leider nicht sehr hungrig. Der Kaffee ist mir wichtiger.

Um 8 Uhr bin ich bereits auf der Straße. Durchfahre einige kleine Orte. Zwischen den Häusern kann ich bei offenem Tor in die Höfe schauen. Sie sind oft gut ausgestattet mit einigen Traktoren und manchmal einem Mähdrescher. Bringe trotzdem die riesigen Felder nicht in Verbindung zu den kleinen Höfen.

Die Landschaft ist flach, keine Wälder, nur Felder und vereinzelt Wiesen. So stelle ich mir die Pusta vor. Wenn ein Feld gepflügt ist kommt die schwarze Erde zum Vorschein. Feldarbeiten sehe ich sehr selten. Der trockene Mais oder die schon lange verblühten Sonnenblumen müssten doch geerntet werden.
Unterwegs stärke ich mich an Zwetschen, die ich am Straßenrand pflücke. Sie sind erfrischend und neben einem Joghurt meine einzige Nahrung über Tag.

Am frühen Nachmittag erreiche ich die rumänische Grenze.

Nach der Grenze ändert sich nicht viel. Die Häuser sind in etwas schlechteren Zustand als in Serbien. Es gibt häufiger brach liegende Felder, von der Straße aus sehe ich manchmal eine Industrieruine.

Die Straße bleibt eben und grade. Die Autos und LKWs rasen an mir vorbei.

Keine Wolken am Himmel schützen mich vor der Sonne. Auch sonst sind Schattenplätze selten. Wie schön doch der Regen am Vortag war. Es ist unangenehm heiß. Außerdem bläst seit dem Vormittag eine kräftige Brise aus Nordost, meine Fahrtrichtung.

Bin froh und etwas geschafft als ich gegen 17 Uhr in Timisoara einfahre. Finde mitten im Zentrum ein Hostel mit Einzelzimmer, nicht ganz so komfortabel wie in Novi Sad.

Novi Sad.

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Aug. 212013
 
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Blick von der Festung auf Novi Sad. Da die Stunde wichtiger ist als die Minute ist der Stundenzeiger der längere.

106. Reisetag

5365 km 

 

Nach dem Überqueren der Donau verlasse ich die bergige Seite der Donau und wechsel zur flachen. Alle Ortsschilder sind in Serbien zweisprachig, kyrillisch und lateinisch. Sonnenblumenfelder sind verschwunden. Im saftigen Grün sehe ich in der eher trockenen Umgebung viele Möhrenfelder. Sie werden aufwendig bewässert.
Die Häuser sind in den Ortschaften nicht mehr so gereiht an der Straße. Ich meine sie sind in einem besseren Zustand als in Kroatien. Kleinere und mittelgroße Werkstätten (meist fürs Auto) und Industrieanlagen gibt es häufiger. Direkt an der Donau entstehen neue Siedlungen.

Anfangs fahre ich auf der Hauptstraße, bald kann ich auf einen Donaudamm abbiegen.
Es ist sehr heiß und das Ziel nicht mehr allzu weit. Ich suche mir zur Mittagszeit ein schattiges Plätzchen und schaue auf die Donau. Eine Fähre kommt vom weit entfernten Ufer sehr langsam auf mich zu. Sie besteht aus einem recht alten Schiff (zum Antrieb) und einer Pontonplattform. Werde auf Deutsch von einem Motorradfahrer angesprochen, der auf die Fähre wartet. Er lebt und arbeitet in Wien, ist gebürtiger Bosnier. Macht eine Rundfahrt und besucht seine ehemalige Heimat.

Auf dem Damm fahre ich weiter nach Novi Sad, der zweitgrößten Stadt Serbiens und Hauptstadt der Provinz Vojvodina. Es ist ein angenehmes in-die-Stadt-fahren, nicht durch endloser Industrieanlagen sondern auf dem Flussdamm.

Direkt im Zentrum finde ich in einem Hostel einen Private Room (Einzelzimmer). Um die Ecke ist die Fußgängerzone und ein indisches Restaurant. Bin zufrieden mit meiner Wahl und bleibe drei Tage.

Den Mittelpunkt der Stadt bildet der Platz der Freiheit „Trg slobode“, auf dem früher der Markt stattfand. Jetzt ist es das Zentrum mit Sitzbänken, vielen Cafés und Fußgängerzone mit den typischen Ladenstraßen. Am zentralen Platz steht das Rathaus und die große katholische Kirche (obwohl die Katholiken gegenüber den Orthodoxen in Serbien in der Minderheit sind). In der Kirche sehe ich zum ersten Mal unter jeder Kirchenbank eine Heizung. Als Minderheit muss man einen guten Service bieten. Die orthodoxe Kirche steht etwas abseits. In ihr gibt es weder Bänke noch Stühle.

In der Stadt herrscht reger Betrieb. Gruppen von Kreuzfahrschiffen auf der Donau werden durchgeführt. Besonders abends sind viele Menschen unterwegs. Musikgruppen spielen. Die Läden haben lange geöffnet.

Bei meinen Rundgängen komme ich an einer großen alten Synagoge vorbei. Mit dem traurigen Hintergrund, dass in ihr im Zweiten Weltkrieg Juden inhaftiert waren, bevor sie weiter ins Konzentrationslager deportiert wurden.

Öfters stoße ich auf kleine Markthallen in den Vierteln. Sie kündigen sich an, wenn auf der Straße Einzelverkäufer bereits diverse Waren anbieten. Es macht mir Spaß darüber zu laufen und zu schauen.

Je weiter ich mich aus dem Zentrum entferne, desto häufiger ist die Schrift nur noch Kyrillisch. In der Schule wird Kyrillisch als erstes gelernt, etwas später folgt die lateinische Schrift. Die Serben können also den gleichen Text in beiden Schriftarten lesen. Ist das nun zweisprachig?

Die Häuser in der Stadt sind alt und schön renoviert, es gibt Plattenbauten, moderne Häuser aber auch viele alte einstmals schöne Häuser, die bitter nötig renoviert werden müssten um sie vor dem Verfall zu schützen.

Kriegsschäden sehe ich keine mehr – im Gegensatz zu Kroatien, obwohl die Stadt Ziel von NATO-Luftangriffen wurde.

Höhepunkt meiner Stadtbesichtigung ist wortwörtlich die Petrovaradin Festung, die als Wahrzeichen Novi Sads Donau und Dächer überblickt. Sie liegt auf einem Hügel zur Rechten des Flusses und bietet eine wunderbare Aussicht. Es ist eine riesige Anlage mit diversen Wällen und Gräben. Im 17. Jahrhundert war es die größte Festung Europas.

 

An der Donau.

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Aug. 182013
 

DSC01190103. Reisetag

5284 km

 

Die Weiterfahrt erfolgt auf der Veloroute 6. Kurz vor der Mündung der Drau stoße ich auf den Donauradweg, als längste Teilstrecke des Europaradweges. Monate und einige tausend Kilometer vorher war ich am Startpunkt am Atlantik in Frankreich gewesen.

Der Radweg ist die Straße, gerade, mit wenigen Kurven. Die Autos rasen an mir vorbei, zum Glück nicht so viele. Wenig Abwechslung ist angesagt, immer entlang riesiger verblühter Sonnenblumen-, Mais- und geernteter Getreidefelder, seltener Obstplantagen, Wein- und Sojafelder. In Deutschland wird als Ölfrucht Raps angebaut, hier sind es die Sonnenblumen. Einen Monat früher, es wäre ein wunderbares gelbes Blütenmeer gewesen.

Nach ca. 50 km erreiche ich Vukovar. Sehe zum ersten Mal die Donau. Sie ist so breit, das ich dachte der Fluss wird gestaut. Das ist nicht der Fall.

Im Kroatienkrieg 1991 erlangte diese Stadt einen traurigen Bekanntheitsgrad. In der Schlacht um Vukovar zerstörten serbische Einheiten einen Großteil der Stadt. Bei der Einfahrt in die Stadt stehen die Ruinen eines zerschossenen Hauses an einem Bahnübergang. Bei der Ausfahrt ragt als Mahnmal gegen den Krieg der zerstörte Wasserturm gegen den Himmel. In der Stadt stehen bereits viele neue, wenn auch nicht immer schöne Häuser und es wird noch viel gebaut. Die Spuren des Krieges sind noch lange nicht beseitigt.

Eigentlich wollte ich hier übernachten, doch nichts lud mich ein hier zu bleiben. Fahre also weiter. Bei der Ausfahrt schenkt mir ein Mann eine Tüte Obst, einfach so, als ich ein Foto vom zerschossenen Wasserturm mache.

Hinter Vukovar, bekommt die Landschaft plötzlich ein anderes Gesicht. Erste Hügel tauchen am rechten Flussufer auf – da fahre ich, während links des Stromes sich die Ebene scheinbar ins Unendliche erstreckt. Da hätte ich auch fahren können.

Am Straßenrand entdecke ich ein altes Schild auf einem alten Fahrrad befestigt: Free camping. Es ist nachmittags und sehr heiß. Auf einer kleinen Wiese direkt an der Donau stehen Bänke, daneben ein einfaches kleines Restaurant. Wunderbar mal wieder im Zelt schlafen zu können und dabei viel Natur um mich herum zu haben. Der große Strom wirkt beruhigend. Ich sitze einfach da, schaue darauf und trinke ein kaltes Bier. Ab und zu kommt ein kleines Boot mit Anglern vorbei oder ein Kreuzfahrt- bzw. Frachtschiff. Eine Dusche gibt es nicht, gewaschen habe ich mich in der Donau.

Ein französisches Radlerpaar mit mächtig viel Gepäck gesellt sich zu mir. Ihr Englisch ist genauso schlecht wie mein Französisch. Der junge Mann, der das Restaurant in dem kleinen Ort leitet spricht sehr gut Englisch.

Zum Abendbrot gibt es eine Art Gemüsesuppe mit Bohnen. Bekomme meinen Anteil bevor das Fleisch hineinkommt. Sie schmeckt deutlich besser als die zwei Gerichte, die ich in Osijek im Restaurant erhalten habe. Zum Nachtisch erhalte ich einen gerösteten Maiskolben.

Am nächsten Morgen stehe ich mit der Sonne auf. Die Temperaturen sollen wieder deutlich über 30 Grad steigen. Die serbische Grenze passiere ich nach 10 km auf der anderen Seite der Donau. Bekomme den ersten Stempel in meinen neuen Pass.